Damals – Die Zeit in der wir Kinder waren – TRAILER from Lisa Korbel on Vimeo.

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Damals – Die Zeit in der wir Kinder waren entstand im Rahmen meiner Bachelorarbeit an der Hochschule Offenburg im Studiengang Medien.Gestaltung und Produktion.

Neben der Konzeption war ich persönlich zuständig für Regie, Kamera 1 und die gesamte Postproduktion Bild.

 

Länge: ca. 83 Minuten

Genre: Dokumentarfilm

Regie: Lisa Korbel

Kamera: Lisa Korbel, Max Grummel

Boomoperator: Matthias Ganter

Tonpostproduktion: Thomas Huck, Benjamin Kempter

Musik: Benjamin Schnitzer

Jahr: 2015/2016

 

Inhalt:

Damals – Die Zeit in der wir Kinder waren erzählt von einer Kindheit zwischen zweitem Weltkrieg und Großfamilie, eine Zeit in der die Menschen noch bescheidener lebten als Heute.

Viktrizius (81), Gotthard (74), Elisabeth (78), Monika (77), Rita (71), Maria (79)
und Oskar (82) haben alle etwas gemeinsam. Sie sind Teil der 16 Kinder der Familie Veith.
Alle sind zwischen 1933 und 1944 geboren. Aufgewachsen sind sie in Waldmatt, Bühl in Baden. Ihre Kindheit ist gezeichnet vom zweiten Weltkrieg. Während die Schwester Maria bei der Tante aufwuchs, erlebten die anderen Geschwister den Alltag in der Großfamilie. Zeitzeugen berichten mit sehr viel Charme und spannenden Anekdoten über eine Zeit, in der die Verhältnisse noch anders waren als heute. Man war bescheiden und glücklich mit dem was man hatte. Der Frieden in der Familie war mehr wert als alles Andere.

Ein Drohnenflug über eine Burg, ein Tal, Weinberge, Häuser und schöne Natur ist ersichtlich. Viktrizius erzählt davon wie die Gegend in der Zeit aussah, als er noch ein Kind war. Er sieht, dass sich vieles verändert hat. Er stellt sich dem Zuschauer vor und gibt einen kleinen Einblick darüber wer er ist, ein Zwilling und Teil einer großen Geschwisterschar.

Die 16 Geschwister werden nach und nach von Viktrizius vorgestellt. Die Vorstellung wird durch Aussagen der weiteren Protagonisten, die sich selbst vorstellen und alten Fotografieen, ergänzt. Auch die Eltern werden vorgestellt um einen Eindruck davon zu erhalten welche Art von Menschen die Familie Veith war und welcher Gesellschaftsklasse sie angehörten. Die Familie war und ist bis heute sehr gläubig. Ein Ort an dem sie immer Zuflucht und Halt fanden ist die Wallfahrtskirche Maria Linden in Ottersweier.

Das Verhältnis zwischen Eltern und Kinder war immer gut. Dem Vater war es immer wichtig, dass er neben seiner Arbeit bei der Bahn auch Zeit mit seinen Kindern verbrachte. Vor allem die Wanderausflüge, die der Vater immer mit den Kindern unternahm sind den Geschwistern im Gedächtnis geblieben. Zusammen wurden Strecken von bis zu 20 Km am Tag zurückgelegt und das oft sogar barfuß.

Die Landwirtschaft spielte eine große Rolle für die Familie Veith, denn sie lebten vom Obst und Weinbau. Die Kinder mussten schon alle sehr früh bei der Feldarbeit mithelfen.
Dies war teilweise auch ziemlich eklig, wie Gotthard berichtet, der sich erinnert wie er schon um 4 Uhr morgens zum Reben hacken gehen musste und anschließend noch mit dem Fahrrad in die Schule fahren, egal bei welchem Wetter. Die Schwester Elisabeth erinnert sich dagegen wie sie oftmals in die Knie ging wenn der Vater ihr noch eine weitere Schaufel Mist in den Korb auf ihren Rücken schaufelte, der zum düngen auf den Weinberg hochgebracht werden musste. Speziell die Zwetschgen und Weinernte waren immer einen großes Highlight. Auch heute gehen die Geschwister noch diesen landwirtschaftlichen Aktivitäten nach. Monika erntet mit ihrem Mann Zwetschgen für den gemeinsamen Hofladen und auch der frühere Weinberg der Familie Veith wird heute noch von Oskars Sohn bewirtschaftet. Jedes Kind hatte im Haushalt seine spezielle Aufgabe. Während Elisabeth mehr bei den Stallarbeiten half, war es die Aufgabe von Rita die Schuhe der gesamten Familie zu putzen. Diese drapierte sie immer fein säuberliche auf der Mauer vor dem Haus.

Die Wohnverhältnisse im Elternhaus waren damals der Zeit entsprechend ganz anders als heute. Sanitäre Anlagen gab es am Anfang noch keine, Viktrizius erinnert sich an das Plumpsklo mit Frischluftspülung. Erst 1957 wurde das Haus renoviert. Früher war alles anders, jeder Haushalt hatte Tiere und anstatt Kaufhäusern gab es damals noch kleine Bäckereien, so Maria.

Die Verhältnisse waren sehr bescheiden, im Elternhaus gab es nicht sehr viele Dinge. Die Kinder spielten mit selbergemachten Holzdingen oder spielten am nahegelegenen Bach.

Gerne sammelten sie dort so genannte „Brunnamiaderle“ auch bekannt als Molche.
Die Spiele die sie selbst gemacht und erfunden haben, das war das Eigentliche was die Jugend der Geschwister lebendig gehalten hat.

Maria erzählt, dass nicht jedes Kind das hatte, was es sich vielleicht gerne gewünscht hätte. Sie zum Beispiel hätte gerne schöne Kleider oder Schuhe gehabt, doch die Jüngeren mussten das nehmen, was den älteren Geschwistern zu klein geworden war. Maria, Monika und Elisabeth trugen daher alle das selbe Kleid am weißen Sonntag. Und auch Gotthard erinnert sich wie er sich damals mit Monika ein paar Schuhe teilte, da nicht jedes Kind immer die Möglichkeit hatte neue Schuhe zu bekommen. Es wurde eingespart wo es ging, der Vater schnitt den Kindern die Haare selbst und auch die Ohrlöcher für die Ohrringe wurden mit einer sterilen Nadel und einem Korken selbst gestochen.

Ein sehr einschlagendes Erlebnis für die Geschwister war der zweite Weltkrieg. Monika berichtet von ihrem ersten Schultag, an dem die Schüler von der Lehrerfrau empfangen wurden, da der Lehrer selbst im Krieg war. Viele Klassenzimmer waren als Schlafplatz für die Soldaten mit Stroh ausgelegt worden und so gab es einige Tage an denen wenig bis gar kein Unterricht stattfand. Wenn die feindlichen Flieger über das Land zogen schauten die Kinder gerne zu und verfolgten die Angriffe. Tagsüber war das kein Problem und wenn einer abgeschossen wurde, sind sie sofort hingerannt und haben geschaut was passiert war. Nachts jedoch hatten die kleineren Geschwister oft große Angst und haben teilweise die ganze Nacht durchgeweint. Eines Tages wurde der Bahnhof in Achern bombardiert, wo der Vater der Familie Veith arbeitete. Die Mutter und die Kinder waren in großer Sorge um ihn und waren heilfroh als er am Abend lebendig nach Hause kam.

Während des Kriegs hatte keiner an Hunger leiden müssen, doch als der Krieg 1945 zu Ende war, begann ein große Notzeit. Die Kinder mussten oft zum hamstern gehen, wo der selbstgebrannte Schnaps des Vaters gegen Lebensmittel eingetauscht wurde. Dafür mussten sogar oft weite Strecken bis zum Bodensee mit dem Zug zurückgelegt werden. Erst als 1948 die Währungsreform kam gab es in den Läden wieder ausreichend Lebensmittel zu kaufen.

Das Verhältnis der Geschwister untereinander war und ist bis heute ein sehr Gutes.
Die Geschwister sagen abschließend, dass sie eine schöne Kindheit hatten. Die Familie hält in jeder Situation zusammen und egal ob bei Feiern oder in Trauer, sie sind immer füreinander da. Sie wollen nichts davon missen und sind sehr glücklich, dass sie in einer Großfamilie aufwachsen durften. Gemeinsam sitzen die noch lebenden Geschwister an einem Tisch und schwelgen in alten Zeiten. Zum Abschluss singen sie gemeinsam ein altes Volkslied, das sie durch ihr Leben begleitet hat.

Die Geschichten der Zeitzeugen werden durch reichhaltiges Archivmaterial illustriert. Die Musik basiert auf alten Volksliedern oder dem eigenen Gesang der Geschwister und untermalt das Ganze mit dem passenden Akzent.

 

Der Film Damals – Die Zeit in der wir Kinder waren, ist nicht nur ein wichtiges Archivstück für die Ahnen der Familie Veith, sondern beleuchtet auch ein Stück Zeitgeschichte, die Kindheit einer Generation die langsam ausstirbt.

Interessant ist der Film genau deshalb für alle Altersgruppen und nicht nur für die Menschen die einen näheren Bezug zu der Familie Veith haben. Alte Menschen können Parallelen zu ihrer eigenen Kindheit entdecken und sich selbst an ihre Vergangenheit erinnern. Menschen im mittleren Alter, sowie jüngere Menschen, können ein Stück über die Geschichte erfahren und davon wie ein Leben, speziell eine Kindheit vor über 80 Jahren noch aussah. Hinzu kommt, dass im Film viele Aufnahmen sowie Archivbilder der Region Bühl gezeigt werden, das wiederum ist für Heimatliebhaber sehr spannend.

 

Die Intension der Regisseurin war es zum einen Familiengeschichte festzuhalten zum Anderen aber auch den geschichtlichen Aspekt.
In der heutigen Generation, wissen immer weniger Menschen wie das Leben damals noch aussah. Heutzutage wird man immer medien- und konsumorientierter, die sozialen Kontakte werden oft immer weniger. Gerade die Familie ist jedoch eines der wichtigsten Dinge im Leben. Sie ist einerseits unser Ursprung und andererseits oft das, was wir zurücklassen, wenn wir die Erde verlassen. Heutzutage rückt das oftmals in Vergessenheit.

Mit ihrem Film möchte Lisa Korbel zeigen, dass Familie ein wichtiger Bestandteil unserers Lebens ist, den wir schätzen sollten. Die Menschen damals waren mit viel weniger Dingen glücklich, als wir es heute sind.

Der Film soll zur Entschleunigung des persönlichen Alltags anregen, zum bescheidener denken und sich wieder mehr auf die einfachen Dinge zu besinnen.

Die Regisseurin widmet den Film ihrer verstorbenen Oma, die ein Teil der Familie Veith war und meint: „Noch nie stand ich meiner Oma so nahe wie jetzt.“

 

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